Karpathos & Rhodos 2001 - Tag 1
Sonntag - 1. Reisetag, (Anreise Flug)
Also, ich warte immer noch darauf, dass sich endlich einmal auch bei mir das gepriesene „Up and Away“-Gefühl beim Flug in den Urlaub einstellt. Vielleicht muss ich einmal außerhalb der Schulferien fliegen, vielleicht auch mit einem Linieflug statt Charter. Aber unter den Bedingungen, die ich bisher kennen gelernt habe, hält sich meine Begeisterung fürs Fliegen nach wie vor in engen Gren-zen. Ich bleibe dabei. Zwölf bis vierzehn Stunden mit dem Auto nach Italien im Sommer sind mir lieber als ein Mittelstreckenflug nach Griechenland im Herbst. Der springende Punkt ist natürlich nicht der Flug, sondern das Drumherum.
Wie üblich gab es auch diesmal keinen Flug von Köln-Bonn. Um überhaupt noch an diesem ersten Herbstferienwochenende loszukommen, mussten wir Virgine-Airlines buchen. Der Flieger sollte am Sonntag um 16.20 Uhr von Brüssel aus starten. Im März hatte ich mich darum gekümmert. Aber schon zu diesem Zeitpunkt waren alle günstigeren Flüge vergeben.
Unsere Kalkulation für die Anfahrt nach Brüssel sah etwa so aus: Gut zwei Stunden brauchen wir für die Fahrt, einen Spielraum von einer Stunde rechnen wir für Staus, etc., eine Stunde für die Suche nach einem gebührenfreien Parkplatz in Flughafennähe und schließlich noch 1 ½ Stunden fürs Einschecken, macht summa summarum 5 ½ Stunden. Und ziemlich genau 5 ½ Stunden vor dem Abflug, nämlich pünktlich um 9 Uhr, fahren wir bei strömendem Regen von zu Hause los.
Natürlich hätten wir auch drei Stunden später losfahren können. Alle Vorsichtsmaßnahmen sind überflüssig. Aber wer ahnt schon, dass bei diesem miesen Wetter der Kölner Ring und erst recht die belgische Autobahn zum Spielen für Kinder hätten freigegeben werden können. Die Suche nach einem Dauerparkplatz in Zavendem und die dafür vorgesehene Zeit sind ebenso überflüssig. Wir sind nicht die ersten Schlaumeier, die versuchen ein paar hundert DM Parkgebühren zu sparen. Ein wahrer Schilderwald macht klar, was passiert, wenn man sich über das Verbot hinwegsetzt: Man wird abgeschleppt und zahlt noch einen Batzen mehr.
Die Lage ist schnell geklärt. Hinein ins Parkhaus. Natürlich ist die billigste Parkgelegenheit besetzt. Reserviert haben wir auch nicht. Also für 3oo DM und ein paar Mark mehr hinein ins Vergnügen. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Gegen 13 Uhr betreten wir das Flughafengebäude, 3 ½ Stunden sind es noch bis zum Abflug. Wir checken gegen 15 Uhr ein und erfahren etwas später, dass unser Flieger eine Stunde Verspätung hat. Tatsächlich ist es eine halbe Stunde mehr. Um 17.45 Uhr heben wir ab. Endlich!
Man muss sich das in aller Deutlichkeit vor Augen führen. Am frühen Sonntagmorgen fahren wir in aller Herrgottsfrühe um 9 Uhr los. Acht Stunden später lassen wir Brüssel Richtung Rhodos hinter uns. Eine feine Leistung!
Wenn nun alles geklappt hätte, könnte ich mir das Lamentieren sparen. Zunächst läuft es auch gar nicht schlecht. Schon 20 Minuten nach der Landung auf Rhodos haben wir unser Gepäck und die Räder. Aufpumpen, Schutzbleche richten, Gepäck festschnallen, fertig.
Es ist gerade einmal 23 Uhr, da sitzen wir schon auf unseren Rädern, um möglichst schnell auf dem Weg nach Rhodos-Stadt ein Quartier zu finden. Wir fahren tatsächlich, aber nur ein paar Sekunden! Beim Verladen ist meine Kette vom Zahnkranz abgerutscht. Kein Problem, nach ein paar Minuten ist der Schaden behoben. Meine Finger sind noch nicht einmal ölig geworden. Mein kluger Ingeni-eur kennt ein sauberes Verfahren zur Behebung solcher Missgeschicke. Bravo Rudolf!
Nächster Versuch. Wieder rollen unsere Räder. Wenn es hochkommt, zehn Meter. Diesmal bremst Rudolf unseren Vorwärtsdrang. Seine Kette ist zwischen Zahnkranz und Rückradbefestigung gerutscht. Was wir auch versuchen, sie bewegt sich keinen Deut. Dank der liebevollen Behandlung unserer Räder durch das griechische Flughafenpersonal dürfen wir weiter reparieren.
Theoretisch wäre es denkbar, dass sich die Misshandlung unserer Räder auf belgischem Boden zugetragen hat. Theoretisch. Wir haben beobachten können, wie Deutsche, Belgier und Niederlän-der mit unseren sensiblen Geräten umgehen. Keine Beanstandungen! Die meisten Griechen dagegen behandeln Fahrräder schlimmer als Straßenköter. Und das sind arme Hunde.
Wir haben keinen Griechen zur Hand, dem wir’s heimzahlen könnten. Also ran an die Arbeit! Wir müssen den Rücktritt abmontieren, die Luft rauslassen, das Hinterrad losschrauben, dann erst kann man die Kette auf den Zahnkranz heben und alles wieder festschrauben und festzurren. Das lässt sich nicht in fünf Minuten erledigen.
Es ist viertel vor Zwölf als wir endlich den Flughafen Richtung Rhodos-Stadt hinter uns lassen. Auf den ersten Kilometern bis Kremasti ist an eine Hotelunterkunft nicht zu denken. Mitten in der Nacht donnern die Maschinen im Landeanflug über die Dächer der Ortschaft. In Trianda fahren wir in ein paar Seitenstraßen, finden aber nichts, wo wir Quartier machen könnten. Irgendwo am Strand muss es ein paar Luxushotels mit Swimmingpool und ähnlichem Schnickschnack geben, aber dass ist nichts für unseren Geldbeutel. Es ist ja erst halb Eins in der Nacht, also Zeit genug, die paar Kilo-meter bis Rhodos Stadt zu strampeln.
Um ehrlich zu sein. Es reichte. Wir nehmen das erstbeste, einfache Hotel in der Neustadt. Die Bar ist noch geöffnet, das Bier gut gekühlt und unser Schlaf tief und fest.