Karpathos & Rhodos 2001 - Tag 10

Dienstag - 10. Reisetag

Um halb 10 fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen. 10.45 Uhr soll der Flieger nach Rhodos starten, das wissen wir jetzt so zuverlässig, wie man das hier wissen kann.
Noch gestern Abend hieß es im Reisebüro in Pigadia, wir könnten nicht fliegen, weil das Bodenper-sonal von Olympic Airways streiken würde. Nach dem Frühstück in Pigadia teilte man uns mit, noch heute Morgen sei der Flug gestrichen, aber vor ein paar Minuten wieder im Computer aufgelis-tet gewesen.
Also, alles klar. Tatsächlich startet unsere Fokker mit nur einer Stunde Verspätung. Wir sind erfahrene Karpathosflieger. Schließlich sind wir hier schon einmal gelandet. Wir wissen, dass die Flugroute westlich an der Insel vorbeiführt. Also folgern wir messerscharf, müssen wir auf der rechten Seite des Flugzeugs einen Platz haben, um unsere Wanderrouten aus der Vogelperspektive noch einmal verfolgen zu können.
Die Schlussfolgerung ist richtig, die Voraussetzung aber falsch. Der Pilot fliegt nach dem Start eine Riesenschleife an die Ostküste, so dass ich wieder da sitze, wo ich schon auf dem Hinflug saß: auf der falschen Seite. Wahrscheinlich ist die Ostküste die Schlechtwetterseite, weil die Gebirge der Maschine Schutz bieten vor den Tiefs, die in der Regel von Nord-West nahen.
Trotzdem, fast ganz Karpathos verschwindet unter einer Wolkendecke. Über dem Meer steigen sich auftürmende Kumuluswolken hoch. In den Schlechtwettergebieten wird die Maschine geschüttelt und gestoßen. Zweimal sackt sie so richtig ab. Zwar fällt mir das Herz nicht in die Hose, aber der Magen rutscht hoch.
Hinter Karpathos 20 Minuten lang nur das Meer, die Bewölkung reißt auf und wir sind über Rho-dos. Nach dem kargen, fast baumlosen Karpathos fallen große, zusammenhängende Waldgebiete sowie Äcker und Felder auf. Wir fliegen über Falaraki und Kolimbos. Auf der Straße herrscht lebhafter Verkehr in Richtung Rhodos Stadt. Die Gegend sollten wir mit dem Rad meiden! Unsere Fokker beschreibt über der Nordspitze der Insel eine weite Schleife, um in die Einflugschneise südlich des Flugplatzes hineinzukommen. Um 12.15 Uhr landen wir, nur ein paar Minuten später stehen wir an der Bushaltestelle.
Nach 5 Minuten fährt eine fesche, junge Griechin im Kleinwagen vor. Sie kurbelt die Scheibe runter und meint, auf den Bus könnten wir noch lange warten. Die Fahrer würden streiken.
Der Urlaub war ja bisher so billig! Da leisten wir uns gern ein Taxi für 3000 Drachmen. Auf halbem Weg nach Rhodos-Stadt kommen uns mehrere Linienbusse entgegen. Ist der Streik schon beendet? Oder gab es gar keinen und die fesche Schwarze half den Taxifahrern, die Mittagsflaute zu über-brücken.
Da wir unsere Fahrradtaschen mit einem Teil unseres Gepäcks während der Karphathos-Woche im Hotel „Paris“ deponiert hatten, bietet es sich an, uns hier wieder einzuquartieren. Das Hotel gefällt uns, die Preise und der Wirt weniger.
Es lohnt sich nicht, noch um 14 Uhr nach Lindos aufzubrechen. Bis dahin schaffen wir es ohnehin nicht mehr. Rhodos Stadt bietet für den heutigen Abend genug Abwechselung. So inspiziert Rudolf an diesem Abend seine Lederjacke, die inzwischen fertig geworden ist, und dann geht´s zum Re-staurant „Yiannis“ in eine kleine Seitengasse der Sokratesstr. Dort wird uns unverhofft der Höhe-punkt des nicht gerade ereignisreichen Tages geboten. Zwei Deutsche, die uns ihre Plätze frei machen, empfehlen uns, „Stifado“ zu bestellen, eine Art Rindergulasch mit leckerem Zwiebelgemü-se, Knoblauch, Oregano und Zimt. Ein Hochgenuss!
Zwei Belgier setzen sich an den Nebentisch. Wir geben ihnen den gleichen Tipp, den auch wir bekommen haben. Aber sie kennen die Qualitäten des „Stifado“ schon. Sie sind alte Kunden hier. Uns empfehlen sie die griechische Platte mit Kefthedes, kleinen Frikadellen, Moussaka und Pastitio, einem Nudelhackfleischauflauf und einem Souflaki, jenem würzigen Fleischspieß aus Hammel- oder Schweinefleisch. Natürlich gibt es so vielfältige Spezialitäten auf einem Teller nur in kleinen Portionen.
An diesem Abend können wir sie beim besten Willen nicht mehr probieren. Aber wenn wir am Samstag nach Rhodos-Stadt zurückkehren! Tatsächlich werden wir uns 4 Tage später über die griechische Platte hermachen. Für Rudolf erneut ein kulinarischer Hochgenuss, für mich etwas enttäuschend, weil ich mit mehr Fleisch und weniger Nudelaufläufen gerechnet hatte.

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